Fußballkrimi



















Nach Fußballkrimi erster Platz für Mannschaft der Lebenshilfe Minden Taktik geht auf: Geschicktes Doppel- und Kurzpass-Spiel / Nervenstärke beim Neunmeterschießen

Stemwede. Lauter Jubel und echte Begeisterung aller teilnehmenden Mannschaften gehen auf das Publikum über. "Freude ist einfach ansteckend", sagt Trainer Johannes Nakath. Mit seiner Lebenshilfe Minden-Mannschaft nimmt er am Pfingstturnier im Stemwede-Wehdemer Stadion teil. Bei Sonnenschein und mit ausgeklügelter Spieltaktik geht es nach einem spannenden Neunmeterschießen auf Platz eins des Siegertreppchens.

In diesem Jahr treten sechs Mannschaften mit Behinderungen gegeneinander an. Vier von ihnen kommen aus Deutschland (Minden, Herzberg, Lübbecke, Stadthagen) eine aus Enschede (NL, seit 2009 mit dabei) und erstmalig in diesem Jahr Bayeux aus Frankreich. "Wir sind inzwischen zum fünften Mal dabei", sagt Nakath. Zwar sei die Fußballmannschaft der Lebenshilfe Minden in den vergangenen vier Jahren immer ins Endspiel gelangt, dieses Jahr sollte es endlich für den ersten Platz reichen. Deshalb setzte der Trainer auf Taktik und Schnelligkeit.

Die vorwiegend geistig behinderten Spieler sind zwischen siebzehn und vierzig Jahre alt. Gespielt wird auf dem Kleinfeld zu sechst plus Torwart bei einer Spielzeit von zwei mal zehn Minuten. In der Vorrunde gewinnen die Mindener gegen Lübbecke 6:0 und spielen gegen Enschede 1:1. Aufgrund des besseren Torverhältnisses geht es dann im Stemweder Stadion gegen die Elster Werkstätten aus Herzberg (Brandenburg) zur Sache.

Während die Mindener zur ersten Halbzeit mit 3:0 führen, kommt es in der zweiten Halbzeit zum Ausgleich, 3:3. Der Grund: Er habe alle dreizehn Spieler einmal einsetzen wollen. Der Wechsel war wohl zu verwirrend, sagt Trainer Nakath.

Das anschließende Neunmeterschießen bringt dann die Entscheidung. Fünf Schuss, fünf Treffer für Minden. Der letzte Schuss der Herzberger geht über das Tor. Damit steht die Siegermannschaft aus Minden fest. Stolz sind Spieler und Trainer auf ‚ihren' Unterschied zu ‚normalen' Fußballbegegnungen: Die Spielzüge werden eingeübt und umgesetzt, "darauf bestehe ich", sagt Nakath.

Auch bei Freistößen geht es besonnener zu. Statt voll drauflos zu ballern und dann das Leder neben oder über das Tor zu schießen – wie es sogar in den höchsten Spielklassen zu sehen ist - setzen die Mindener auf geschicktes Doppel- oder Kurzpass-Spiel. Das heißt in der Praxis: Überraschung für den Gegner. Es wird nicht direkt aufs Tor geschossen. Über eingeübte Stafetten wird der Ball ins gegnerische Tor gekickt.

Ein weiterer Unterschied ist die Fairness. Sie wird bei allen Spielen großgeschrieben. "Bei uns findet nicht die sonst im Fußball verbreitete Verrohung statt", sagt Nakath. "Nach einem Foul hilft man dem Gegner auf die Beine, der persönliche Kontakt soll immer im Vordergrund stehen."

Gespielt wurde im Rahmen des internationalen Fußballturniers der A-Jugend. Das lockt seit Jahren Kicker aus der ganzen Welt nach Stemwede. Ein internationales, seit Jahren gut besuchtes Spektakel in der heimischen Region. Für die Lebenshilfe Lübbecke war das vor etwa zehn Jahren der Grund, auch behinderte Fußballspieler bei diesem Turnier in einer eigenen Klasse starten zu lassen.

In diesem Jahr besonders spektakulär das Endspiel Ajax Kapstadt gegen Zenit Sankt Petersburg. "Das Fieber Richtung Südafrika war spürbar", sagt Nakath. "Am schönsten für uns war jedoch, dass unser Endspiel vor dem Endspiel der A-Jugend stattfand. Der gemeinsame Einlauf ins Stadion, die Nennung der Spieler über Lautsprecher, die vielen Zuschauer - das Turnier war und ist das Highlight für uns Mindener."

Ein besonderer Dank gilt den Organisatoren des TUS Stemwede und der Lebenshilfe Lübbecke: "Ihr habt uns super versorgt und erstklassig betreut."

Die Fußballer der Lebenshilfe Minden (letztes Foto, hintere Reihe v. li) John Pickavance, Michael Schreier, Kevin Pickavance, Sven Muschkau, Trainer und Betreuer Johannes Nakath, (letztes Foto, Mitte) Maxim Boger, Timo Gäbler, Maik Stünkel, Manuel Millgram, Dennis Özer, Fabian Klauß, (letztes Foto, vorn) Jan Warkentin, Jonathan Petkau und Kevin Pankratov.